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ATV-Herren geben Aufstieg in die Regionalliga noch aus der Hand

19. Oktober, 2002 | 14:51

Bericht von der Aufstiegsrunde zur Regionalliga in Leuna am 19./20. Oktober 2002

Die Ersten Herren des ATV mussten am Wochenende erneut eine harten Nackenschlag hinnehmen. Nach dem knapp verpassten Aufstieg in der vergangenen Hallensaison wurden sie auch auf dem Feld noch in letzter Minute abgefangen. Nach guten bis sehr guten Vorstellungen bei der Aufstiegsrunde in Leuna spiegelt der dritte Platz nicht das wider, was das Team verdient hätte. Wurde das erste Spiel gegen Schwerin mit 2:1 gewonnen, ging das zweite Spiel gegen Steglitz mit 1:0 verloren. Im letzten Spiel kam der ATV nach 2:0-Führung nicht über ein Unentschieden gegen Leuna hinaus.

Doch soweit nur die nackten Zahlen. Die Schlagzeile hätte auch „Schiedsrichter sichern Aufsteiger Steglitz den Klassenerhalt“ heißen können. Den Steglitzern sollen damit keinesfalls Mauscheleien unterstellt werden – das junge Berliner Team hat sich den Aufstieg absolut verdient. Doch sorgten vier (!) abgepfiffene reguläre ATV-Tore dafür, dass auch das schwache Leuna den Sprung in die höhere Klasse schaffte (wo alle bisherigen Abstiegskandidaten aufatmen werden).

Aber mal der Reihe nach: Das erste Spiel gegen Schwerin war ein hartes Stück Arbeit, denn die (noch motivierten) Schweriner gingen früh mit 1:0 in Führung und waren anschließend brandgefährlich bei ihren Kontern. Zwei verwandelte Ecken von Tobias Fabig und Tim Gräfe sicherten dem ATV dann aber doch noch die ersten drei Punkte, was insgesamt auch ein gerechtes Ergebnis darstellte. Schwerwiegender „Nebeneffekt“ dieses Spiels waren zwei Verletzungen im Herzen der ATV-Abwehr: Christian Linke kugelte sich den Arm aus, Torwart Riyad Souissi verdrehte sich das Knie – beide mussten ins Krankenhaus und konnten fortan nur noch zuschauen.

Das zweite Spiel fand am Samstag Abend gegen den Berliner Vertreter, den Steglitzer TK statt. Nach ihrem dürftigen 1:0 über Leuna hatte der Favoritenruf, der den Berlinern voraus ging, deutlich an Schrecken verloren – dementsprechend offensiv ging der ATV von Anfang an zu Werke. Der STK kam von sich aus kaum zu Torgelegenheiten, der ATV litt nur, wie so oft in dieser Saison, an einer lausigen Abschlussschwäche. Auch das 1:0 für die Berliner war ein ATV-Geschenk und resultierte aus einem unglücklichen Zusammenstoß zweier ATV-Verteidiger. In der zweiten Halbzeit nahm der ATV endgültig das Heft in die Hand, schaffte es aber nicht, aus neun (!) zu null Ecken und einem Siebenmeter Kapital zu schlagen. Beziehungsweise… der Leipziger Schiedsrichter musste durch Annulierung eines regulären Eckentores (Videobeweis ist vorhanden!) seine nie infrage stehende Objektivität unbedingt nochmal unter Beweis stellen. Dennoch hätte mindestens noch eine Ecke einfach „sitzen“ müssen. Die Steglitzer wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten: Nach dem Abpfiff begruben sie ihren Torwart unter sich.

Das letzte Spiel am Sonntag gegen Leuna war damit zum Endspiel geraten. Den Leunaern reichte ein Unentschieden, da sie gegen Schwerin mit einem Tor mehr als der ATV gewonnen hatten. Leuna war von Beginn an unter Druck, hatte spielerisch keine Möglichkeiten, selber irgendwie Akzente zu setzen. Das eigentliche 1:0 durch Henning Merten wurde leider annuliert, nachdem der überforderte Schiedsrichter (Interessantes am Rande: der besagte Leipziger Schiedsrichter, weigerte sich, das Spiel zu pfeifen…) eine Berührung des Balles mit der runden Seite gesehen hatte. Das zweite eigentliche 1:0 erzielte Tobias Fabig nach einer Ecke, jedoch… ja, diesmal soll der Ball nicht „tot“ gestoppt gewesen sein. Mit dem Pausenpfiff wurstelte der eingewechselte Christian Hoffmann endlich das tatsächliche 1:0 über die Linie. Die zweite Halbzeit wurde wie die erste fortgeführt, Leuna war permanent unter Druck und erneut war Christian Hoffmann Torschütze. Herrlich nutzte er einen Freischlag am Kreis zu einem sehenswerten Stecher zum 2:0. Jetzt, dachten viele, war das Spiel gelaufen. Erst recht, als Tim Gräfe nach einer langen Ecke zum 3:0 „stach“. Aber auch dieses Tor wurde dem ATV aberkannt. Leuna gewann jetzt Oberwasser und erzielte nach einer Ecke den Anschluss. Angefeuert von dem Publikum kämpften die Grünen wie die Besessenen und schafften tatsächlich nach einem Siebenmeter den Ausgleich. Die Steglitzer gratulierten anschliessend den Leunaern grinsend – wussten sie doch, dass ihr Klassenerhalt nächste Saison mit Leuna in der Liga wesentlich leichter zu erreichen sein wird, als mit dem ATV.

Es scheint nur leicht und billig, den Nicht-Aufstieg auf die Schiedsrichter zu schieben. Das soll hier auch nicht geschehen. Der ATV hätte schon am Sonnabend gegen STK seine Chancen nutzen müssen. Aber: Wenn man vier Tore in zwei Spielen aberkannt bekommt, muss man sein Glück schon sehr zwingen, um gegen solch geballte Inkompetenz anzukommen. Wir gratulieren den Steglitzern herzlich zum Aufstieg, den Leunaern danken wir für die sehr gute Ausrichtung der Runde und wünschen ihnen weiterhin so viel Glück.